Warum ich nicht mehr FDP wähle

Ich habe mich eben gerade final entschlossen, bei der kommenden Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, für die ich ja wahlberechtigt bin, nicht die FDP zu wählen.

Was für viele meiner Leser eine Selbstverständlichkeit ist, ist für mich ein großer Schritt. Ein Wahlleben lang habe ich – von wenigen, begründeten Ausnahmen abgesehen – FDP gewählt und ließ mich einst sogar für diese Partei für eine Wahl aufstellen. Ich habe mich auch sehr gefreut und hatte hohe Erwartungen, als die FDP mit einem sensationellen Ergebnis die Bundestagswahl im vergangenen Jahr gewann und zusammen mit Mama Merkel die Regierung fortan stellen durfte.

Seitdem wurde ich Tag für Tag bitter von den Liberalen enttäuscht. Gegipfelt hat das nicht jetzt, mit den Aussagen Westerwelles zu Hartz-IV-Empfängern, sondern schon vor Jahreswechsel, als bekannt wurde, dass die FDP eine Steuersenkung für Hotelübernachtungen durchgesetzt hat.

Was zur Hölle sollte das? Kann man noch gezielter darstellen, dass man nur eine Klientelpartei ist? Dass Spenden Gesetze machen, nicht gesunder Menschenverstand und “Volkes Wille”? Was ist dagegen aus den ganzen guten Vorsätzen geworden, aus der Stärkung der Bürgerrechte, der Korrektur mancher vermurkster Gesetze aus der Großen Koalition und den rot-grünen Schreckensjahren zuvor? Nichts, die FDP, allen voran “Ich will das Entwicklungshilfeministerium abschaffen”-Entwicklungsminister Niebel und “Isch han keine Ahnung von Wirtschaft”-Wirtschaftsminister Brüderle sind Gesichter einer Partei, die an ihrer eigenen Abschaffung arbeiten. Dazu kommt noch Bubi Westerwelle, der sein Grinsegesicht jetzt schon einmal um die ganze Welt getragen hat und es trotzdem nicht schaffte, so etwas wie Respekt vor seinem Amt zu generieren.

Nein, ich werde dieses Mal nicht FDP wählen. Auch wenn ich weiß, dass Landespolitik nicht direkt mit Bundespolitik gleichgesetzt werden darf, so will ich doch zumindest dafür Sorge tragen, dass solche Hoteldinger dank veränderter Bundesratsbesetzung nicht mehr so ohne Weiteres möglich sind.

Hat jemand Vorschläge, was ich stattdessen wählen sollte? Und warum?

Dienstag, 16. Februar 2010, 22:21 Uhr
Abgelegt unter: Offline, Politik


6 Kommentare

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Christian

Oh. Ich meine, wir waren uns ja relativ unausgesprochen politisch nie einig, aber so seine Heimat zu verlieren ist ja doch eher unangenehm.
was ich Dir empfehlen würde, wenn ich etwas empfehlen würde weisst Du ja :-)

17.02.2010, 09:01WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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trenc

Oh Hannes,

Du hast es da echt nicht leicht. Guten Gewissens kann man da wahrscheinlich gar nichts empfehlen.

Mein Herz jedenfalls schlägt links - sehr weit links.

17.02.2010, 18:48WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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Schwester I.

Na dann halte dich mal an den Herrn Trenc!

18.02.2010, 00:05DIREKT ANTWORTEN


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Johannes

@trenc, @Schwester I.: Danke für den Tipp, aber der Weg von der Mitte nach links außen ist ganz schön weit, den schaffe ich wohl kaum noch bis Mai. ;-)

Ich verkünde meine Wahlentscheidung aber auf jeden Fall rechtzeitig.  :-)

18.02.2010, 10:39WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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Jan von nebenan

Du willst einen Tipp? Normalerweise kann ich immer meine Stammpartei empfehlen. Aber auch ich werde dieses Mal wohl anders wählen. Und zwar zum ersten Mal seit Jahrzehnten nicht die Grünen, sondern die SPD, weil ich kein schwarz-grün möchte.

19.02.2010, 22:37DIREKT ANTWORTEN


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Christian

@Jan
Du wählst eine andere Partei, weil du kein schwarz-grün möchtest?
Sorry aber dann solltest du lieber gar nicht zum wählen gehen.

03.03.2010, 17:59DIREKT ANTWORTEN


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