Ich esse ja auch kaum Fleisch

Ich nehme mal das heute von vielen Seiten verlinkte Defensive Omnivore Bingo zum Anlass, auch einmal auf Deutsch zu zeigen, wie ich immer wieder das gleiche höre, wenn ich erzähle, dass ich mich fleischlos ernähre.

Also, ich fange mal: »Hallo, ich bin Vegetarier.«

»Und warum?«
»Seit wann?«
»Aber Fisch isst du schon, ja?«
»Ich esse ja auch nicht so viel Fleisch.«
»Die Tiere werden doch extra dafür gezüchtet.«
»Wo sollen denn dann die ganzen Tiere hin, wenn wir sie nicht essen?«
»Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen!«
»Das Töten tut den Tieren doch gar nicht weh.«
»Ich habe das ja auch einmal versucht. War aber nichts für mich.«
»Da fehlen dir doch ganz viele wichtige Nährstoffe!«

Und der beste von allen:
»Aber wenigstens bist du nicht so ein verrückter ... Wie heißen die, die überhaupt keine Produkte von Tieren essen?« – »Veganer.« – »Ja, genau. Das ist ja ganz schrecklich.« – »Meine Schwester ist Veganerin.« – »…«

Dienstag, 03. August 2010, 21:19 Uhr
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10 Kommentare

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Patrick

Mir faellt gerade kein passender Begriff ein, also missverstehe das “Randgruppe” nicht ;)

Das Interessante an Randgruppen wie Veganern und Frauen ist ja, dass sie darauf warten, fuer sie negative Aeusserungen zu erhalten. Ich stelle mich bspw. nicht vor “Hi ich bin kein Vegetarier” und aehnlich.

Auf der anderen Seite frage ich jemanden der unbedingt ueber vegetarische und vegane Ernaehrung reden muss/will, was genau er denn tut, um das Ganze wenigstens abwechslungsreich zu gestalten. da ist immer was Neues dabei - wo man ein Huehnchen oder eine Kuh rein schnippseln kann und schon wird ein vollwertiges Mahl daraus ;)

Wenigstens kann man mit der Frage nach dem Fisch die Wichtigtuer und Trendfollowers ausfiltern? Aber - das fehlt in der Liste - was passiert denn mit der gelegentlich beim Motorad fahren in den Mund geflogenen Fliege?

04.08.2010, 04:25WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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Johannes

Randgruppen wie Veganern und Frauen
rofl

Das Interessante an Randgruppen wie Veganern und Frauen ist ja, dass sie darauf warten, fuer sie negative Aeusserungen zu erhalten. Ich stelle mich bspw. nicht vor “Hi ich bin kein Vegetarier” und aehnlich.

Kann ich für mich jedenfalls nicht unterschreiben. Ich bin und war noch nie missionarisch unterwegs. Dass ich Vegetarier bin erfahren die meisten deshalb eher zufällig, z.B. beim Essen. ;-) (Und dann fallen ihnen meistens die Augen raus, weil ich nun auch mal nicht so aussehe wie der klassische Vegetarier.) Entsprechend habe ich mich noch nie mit obigem Satz tatsächlich vorgestellt. Die Antworten waren trotzdem die gleichen.

Das Interessante an Fleischessern ist ja, dass sie fast alle wissen, dass sie nicht alles richtig machen. Es ist das schlechte Gewissen, dass einen solche Sätze sagen lässt.

Wenigstens kann man mit der Frage nach dem Fisch die Wichtigtuer und Trendfollowers ausfiltern?

Ich vermute dahinter eher eine Hoffnung auf Gewissensberuhigung: Ach, der ist ja gar kein richtiger Vegetarier. Puh, dann brauche ich mich auch nicht zu schämen.

Aber - das fehlt in der Liste - was passiert denn mit der gelegentlich beim Motorad fahren in den Mund geflogenen Fliege?

Stimmt, das fehlte in der Liste. Ebenfalls verwandt: “Aber du tötest doch auch Insekten!” (mit entrüstetem Unterton)

04.08.2010, 09:49WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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Schwerster I.

Das Allerschlimmste: “Aber die Pflanzen haben doch auch Gefühle!” und: “Also ICH kaufe mein Fleisch nur beim Metzger nebenan!” Argh, ich kanns nicht mehr hören!!! Übrigens bin ICH nicht diejenige, die ständig mit diesen sinnlosen und zu Provokationen neigenden Diskussionen anfängt!

04.08.2010, 20:12DIREKT ANTWORTEN


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Johannes

“Also ICH kaufe mein Fleisch nur beim Metzger nebenan!”
Richtig! Auch ein Klassiker. Wie konnte ich den nur vergessen!

Übrigens bin ICH nicht diejenige, die ständig mit diesen sinnlosen und zu Provokationen neigenden Diskussionen anfängt!
Dito. Weil sie halt alle ein schlechtes Gewissen haben.

04.08.2010, 22:51WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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serotonic

Das Problem an der Reaktion der Fleischfresser ist wohl, dass sie oft aus einer Art Unterlegenheitsgefühl kommt. Aus Überzeugung kein Fleisch zu essen wird grundsätzlich als passiv-aggressives Verhalten empfunden – und natürlich kommt dieses Empfinden auch daher, dass die meisten Fleischfresser wissen, dass es fürchterlich falsch ist, was sie da tun. Aber es kommt auch daher, dass viele Vegetarier sich nicht nur überlegen fühlen (zurecht), sondern das auch ordentlich hochmütig heraushängen lassen (auch zurecht). Ich halte es für einen natürlichen Reflex, da mittels Spruch wenigstens irgendwie gegen anzugehen, Selbstverteidigung mit hilflosen Mitteln sozusagen.

Mir geht es ja auch jedesmal so, wenn wir da mit dir am Tisch sitzen und das Thema „Johannes isst kein Fleisch“ auf den Tisch kommt (muahahaha). Du sitzt dann da vor mir, als hätte jemand aus meinem schlechten Gewissen einen Menschen geformt, der langmütig lächelt und geduldig abwartet, bis die Welle vorbeigerollt ist. Für dieses langmütige Lächeln könnte ich dir dann umgehend an den Kragen gehen. Und weil ich dich beneide, natürlich. Weil du scheinbar so leicht umsetzen kannst, was ich für völlig richtig, logisch und konsequent halte – für mich selber jedoch nicht hinbekomme, weil ich die Sache mit dem Verzicht nicht will.

Was die Veganer-Sprüche angeht, rühren die sicherlich weniger von der Überzeugung und der Lebensweise an sich her, sondern von der herablassenden Art von vielen Veganern, mit all Denen umzugehen, die dieses Lebensmodell nicht teilen. Das ist dann die Hoffnung, doch noch einen gemeinsamen Fein…, äh, Nenner zu haben, der vom Thema wegleitet. Damit man sich nicht mehr sooo schlecht fühlen muss.

Die Frage ist also:
Was war zuerst da: Hochmut oder Spruch? ;)

11.08.2010, 17:33WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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Susanne Meierfeld

meine freundin hat sich mal einen film angesehen, bei dem es um tier massenhaltung geht und um die schlachtung der tiere. seitdem ist sie vegatarier, was ich absolut nicht verstehen kann. was mag wohl an diesem film so schlimm gewesen sein?

16.08.2010, 12:20DIREKT ANTWORTEN


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Johannes

@serotonic: Es ist natürlich so, dass man sich als besserer Mensch auch so benimmt, selbst wenn man alles versucht, eben nicht so besserwisserisch und missionarisch zu sein. Was allerdings einfach daran liegt, dass man durch o.g. Sprüche dazu gedrängt wird. Es gibt keinen einzigen Spruch/Vorwurf, den ich nicht kontern könnte. Aber ich mache es eher selten, weil es zuverlässig zur Eskalation führt.

@Susanne Meierfeld: Ich habe mal vorsichtshalber die URL entfernt. Ich werde mir aber noch einen Preis für den bist dato originellsten Spam-Kommentar überlegen.

16.08.2010, 15:20WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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Frieder - Exschwiegervater

Nach so manch interessiertem, oft amüsiertem Lesen in deinem Blog mal eine Wortmeldung.
Und was wäre für mich ein besser Grund als dieses Thema?
Na gut, der kleine Fiat hätte es auch sein können.
Übrigens gerade einen kleinen Dacia gekauft - mehr Auto braucht kein Frieder.

Zurückdenkend an “unsere” Zeit nehme ich so einiges bei dir wahr und es gefällt mir richtig gut. Nebenbei erwähnt: deine Exfrau ist “seitdem” kein Vegetarier mehr…
Aber zum Thema.
Ja, es ist wirklich ein Dilemma (würde jedenfalls Data von der Enterprise sagen).
Den logischen Argumenten für Vegetarismus kann sich der Durchschnittswohlständler aus den “zivilisierten” Regionen der Welt, gekennzeichnet durch völlige Entfremdung von der Notwendigkeit ursprüngliche Nahrungsmittel zu beschaffen und zu verarbeiten, kaum entziehen.
Und schon fühlt er sich in Erklärungsnot, sucht verzweifelt nach Argumenten oder kapituliert von vornherein mit: ich schaff das nicht oder ich kann nicht verzichten.
Nur nebenbei: als ich nach jahrelangem Hinauszögern dann endgültig dem Fleisch (auch Geflügel ist Fleisch, jawoll) den Rücken oder die Zunge gekehrt habe, inzwischen 13 Jahre her, hat sich meine Speisekarte in Sachen Vielfalt enorm erweitert. Auch die Sensibilität der Geschmacksknospen auf der Zunge hat sich wohl in Richtung auf das wahrscheinlich normale Maß zurückentwickelt.

Dem Beitrag von serotonic stimme ich vollumfänglich zu, schade dass sie den Verzicht als letztes Argument noch glaubt anführen zu müssen. Den gibt es eben genau nicht.
Doch das zu erkennen ist in der von Nestle und Gervais Danone beherrschten Ernährungswelt jedem “Abtrünnigen” schwer gemacht, der noch dazu Fleisch als ein Stück Lebenskraft mit der “Werbe-” Muttermilch aufgesogen hat.
Wie prinzipiell auf allen Gebieten der hauptsächlich vom Geld bestimmten Gesellschaft ist eben auch Ernährung als größter wirtschaftlicher Sektor überhaupt mit größtem Manipulationspotential behaftet.

Noch schnell ein paar Fragen:
Was ist eine Randgruppe? Sitzt sie auf dem Tellerrand? Könnte auch die Mehrheit eine Randgruppe sein? Kippt der Teller dann um?

Wie sieht ein typischer Vegetarier aus? Mal abgesehen vom modischen Poncho aus Hanf…
Wird es immer Zoos, Tierparks, Delphinarien… geben? Und bitte nicht argumentieren wie die japanischen Walfischfänger: zu wissenschaftlichen Zwecken und zur Erhaltung der Art…
Trotzdem am Schluß auch eine Bedenkung für Vegetarier in spe. Bei Familie und Freunden klassifiziert man sich (noch) zum Außenseiter und die Hilflosigkeit des Umgangs führt unweigerlich zu einerseits lieb gemeinten Versuchen Fertiggerichte aus dem Bioladen zu kredenzen (immerhin)  oder aber leider auch mitunter zur Abwahl aus dem vermeintlich verbundenen Kreis.
Doch was solls. Prioritäten…

25.08.2010, 20:58WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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Thomas J.

Ich habe das auch einmal erlebt, obwohl ich kein Vegetarier bin. Bei einer Einladung habe ich, weil ich keines der Fleischgerichte mochte, das Vegetarier-Menü gewählt. So schnell konnte ich gar nicht hüpfen, wie ich in der Schublade verschwand.

Und der Klassiker schlechthin ist ja: “Du isst meinem Essen das Essen weg.”

27.08.2010, 02:50DIREKT ANTWORTEN


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Tochter des Exschwiegervaters

Moooooment, so ist das ja nun nicht! Ich habe wieder angefangen Fleisch zu essen, als ich im 4. Monat schwanger war und ich MUSSTE verdammt nochmal.  ;-) Ich war ein Sklave meines Körpers, alles was ich mochte (Kaffee, Croissants, Butter auf Croissants…) mochte ich nicht mehr und das was ich nicht mochte (wie z.B. Fleisch und auch Weintrauben bääääääh) mochte ich plötzlich. Der einzige Fauxpas, den ich zugestehe, ist das der 4. Monat schwanger nun schon 4,6 Jahre her ist.  :-D

So sorry für nicht ganz Topic, musste ich mal loswerden.

Viele Grüße
Claudia

15.09.2010, 09:09WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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