Erfolgreich Weblogs lahmlegen

Da kann man auch mal lachen

Abmahnungen sind ein Werkzeug des Teufels. Ich bin immer mehr davon überzeugt, dass diese Möglichkeit der außergerichtlichen »Einigung« nur erfunden wurde, um arbeitslosen Anwälten eine lukrative Einnahmequelle zu bescheren.

Als Einklang empfehle ich erst einmal die Lektüre folgenden Spiegel-Online-Beitrags: Gefahren für eBay-Händler: Abmahnung ist Anwalts Liebling

Was für ein Geschäft: Sobald ein Verkäufer auf eBay einen winzigen Verstoß gegen die Handelsregeln begeht, kommt ein findiger Anwalt und kassiert Abmahngebühren. Anbieter auf der Auktionsplattform werden gerade mit solchen Verfahren überzogen - die unklare Rechtslage macht’s möglich.

Und damit wenden wir uns als nächstes der Blogger-Szene zu. Es ist ja nichts Neues, dass Blogger abgemahnt werden. Privatpersonen, die im Netz so schreiben, wie sie sich vermutlich auch im echten Leben unterhalten. Oft genug hat es Blogger erwischt, die ich persönlich sehr schätze. Als jemand, der online Texte veröffentlicht, hat man wenig Chancen, wenn die Argumente stichfest sind. Man muss zahlen oder in einem Prozess riskieren, noch wesentlich mehr Geld zu verlieren.

Screenshot aus WikipediaVor einiger Zeit hat es den Triple-A-Blogger MC Winkel erwischt, der die Kiez-Größe Karl-Heinz Schwensen mit einem Spitznamen titulierte, unter dem ihn jeder kennt. Ich zitiere aus dem zugehörigen Wikipedia-Eintrag:

Karl-Heinz Schwensen war früher unter seinem Kiez-Namen Neger-Kalle bekannt und wurde auch in verschiedenen Medienberichten so bezeichnet. Aufgrund der rassistischen und diskriminierenden Konnotation der Bezeichnung verwahrt sich Schwensen inzwischen juristisch gegen diesen Spitznamen.

Das mag sachlich und politisch korrekt sein. Aber es riecht doch sehr nach einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für seinen Anwalt – er selbst bekommt ja nichts von den horrenden Abmahngebühren. 899,40 Euro kostet es, in Google einmal den Namen ins Suchfeld einzugeben, auf einen Link dort zu klicken, auf der betreffenden Seite ins Impressum zu gehen und den Namen sowie die zu beanstandende URL ins vorgefertigte Abmahnschreiben einzusetzen und das per Einschreiben abzuschicken.

Wie dem auch sei, nicht nur MC Winkel wurde abgemahnt. Auch Andreas vom AP-Project, ein von mir sehr geschätzter Blogger-Kollege, der seit über sechs Jahren sein kleines Weblog betreibt, geriet in die Fänge des Gebühreneintreibers. Mit den Worten »Wer hätte gedacht, dass mein Geld mal im Rotlichtmilieu landet. Hätte ich mir aber irgendwie befriedigender vorgestellt.« schloss er nun sein Weblog. Vorerst vielleicht und hoffentlich. Momentan gibt es nur »Pause ...und bis bald ...vielleicht« unter seiner URL zu sehen. Ein (weiteres) Zeugnis von der Zerstörung der Meinungsfreiheit zugunsten eines kleinen Wirtschaftszweigs. Als weitere Lektüre zu diesem Fall sei dieser Beitrag im RA-Blog empfohlen.

Früher habe ich Anwälte mal geschätzt, hatte sogar mal eine Millisekunde selbst mit dem Gedanken gespielt, Jura zu studieren. Aber diese Juristenschwemme, die sich über unser Land ergießt, diese Menge an Anwälten, die geschätzt doppelt so hoch wie die potentielle Mandantschaft ist, musste irgendwann dazu führen, dass in Deutschland nicht weniger, sondern wesentlich mehr und detailliertere Gesetze erlassen werden müssten, um genau zu wissen, was man in einem privaten Weblog schreiben darf und was nicht. Das ist kein haltbarer Zustand.

Samstag, 18. August 2007, 13:42 Uhr
Abgelegt unter: Sonstiges


8 Kommentare

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Marcus

Hat Andreas nicht schon öfters mal ‘ne Pause eingelegt?  ;-)

Klar kann einem so eine Abmahnung die Sache ganz schön vermiesen, aber deswegen ein Weblog gleich zumachen?  augenroll

18.08.2007, 19:28WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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Johannes

Ich kann mich ehrlich gesagt nicht daran erinnern, dass Andreas schon größere, angekündigte Pausen eingelegt hätte. Aber das spielt auch keine Rolle in diesem Fall.

Ich persönlich fände 900 Euro für ein bisschen Freizeitspaß auch ein wenig zuviel des Guten. 900 Euro wegen eines Wortes, das man vor Urzeiten mal geschrieben hat. Was weiß ich, was ich meinetwegen 2002 geschrieben habe? Und deswegen 900 Euro zahlen? Da würde ich auch zumachen. Sicher ist sicher. Neunhundert Euro!

18.08.2007, 20:47WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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andreas

Pausen gab es immer mal wieder, aber die waren einfach da, weil keine Zeit war. Angekündigt waren die nie :-)

Preislich ist es übrigens etwas weniger geworden. Dafür kriegt unser Anwalt nun auch was vom Kuchen.

Dass die Site offline ist, hat weniger damit zu tun, dass ich nun höllisch beleidigt bin und trotzig in der Ecke stehe. Besagtes Posting war aus dem Jahre 2005. Darin ein Link zu Wikipedia, wo explizit der beanstandete Namen stand. Ich kannte den nur unter dem Namen. Er wurde übrigens auch in den Artikeln zu dem eigentlichen Thema (es ging um Tic Tac Toe) so genannt, zumindest damals. In manchen noch heute (würde mich mal interessieren, ob die auch alle ein Schreiben gekriegt haben. Ein paar URLs hätte ich da). Dass er nun plötzlich ein Problem damit hat, wusste ich nicht. Hätte ich es gewusst, hätte ich den Namen entfernt oder von mir aus das ganze Posting runtergenommen. Ein Dialerverbreiter, über den ich mal geschrieben habe, hat das so gemacht. Er schickte ein Email, drohte kurz und ich nahm das Posting runter (ungern, aber nun denn). Diesmal kam ein Einschreiben mit der Kostennote und einer Unterlassungserklärung. Immerhin war die Frist mit einer Woche recht fair, wobei man natürlich nicht in Urlaub sein darf, denn die Frist zählt nicht ab dem Moment, in dem Du das Schreiben in Händen hälst, sondern ab dem Tag, an dem es abgeschickt wurde! Auch witzig.

Unser Anwalt meinte, wir haben keine Chance und dass, obwohl es Zeugen gibt, die bestätigen könnten, dass er sich selbst so genannt hat. Also müssen wir zahlen und die Erklärung unterschreiben.

Soweit die Facts. Noch ein Fact ist zB., dass dieser Anwalt auch den einzigen ungedopten deutschen Radprofi vertritt. Ihr wisst wahrscheinlich, wen ich meine. Nun bin ich ja ein satirisch angehauchter Mensch und habe mit Sicherheit im Zuge der Tour de France oder wann auch immer mal irgendwas zu dem Herrn geschrieben. Vielleicht passt ihm das aber nicht. Dann geht das Theater schon wieder los.
Dieser Radler ist nur ein Beispiel. Es fielen in den letzten 6 Jahren viele Namen und meistens war es eben satirisch. Wenn da einige bemerken, wie leicht es ist, einem befreundeten Anwalt einen Job zu besorgen, würde es für mich lustig. Nun habe ich aber weder Lust und Zeit mich durch die letzten 6 Jahre zu ackern um zu durchforsten, was wen wie auch immer stören könnte. Zumal man das ja auch nie im Vorfeld weiß. Plötzlich will Franz Beckenbauer, der aktuell noch in den Medien der Kaiser genannt wird (merkt Ihr, wie vorsichtig ich das umschreibe?) von den Medien (nicht von mir!) nicht mehr “der Kaiser” genannt werden. Warum auch immer. Da würde Technorati aber glühen und Google gleich mit. Und ich könnte wetten, dass ihm das in Hamburg einfallen würde. Rein zufällig natürlich und nicht wegen des Gerichts dort, das eine gewisse Berühmtheit bei diversen Verfahren erlangt hat (natürlich ist der Gerichtsstand bei der unsrigen Sache auch HH).
Langer Rede kurzer Sinn: Ich weiß zur Zeit nicht, wie ich das machen sollte. So eine Abmahnung ist nicht nur nervig, sie kostet auch Zeit und vor allem auch Geld und wie ich feststellen durfte, kann es echt jeden erwischen. Ich mache mir schon Gedanken, wie ich die Site weiterführe, nur wie genau, weiß ich noch nicht. Die alten Sachen bleiben aber vorerst mal offline.

Uff, das war jetzt aber viel Text. Mir fehlt die Website und das Posten dort, wie mir scheint :-)

19.08.2007, 22:18WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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Johannes

Danke für deinen ausführlichen Kommentar, Andreas! :-) Meine Kommentarfunktion steht immer für dich zur Verfügung. Jedenfalls bis ich wegen dir abgemahnt werde. ;-)

19.08.2007, 22:26WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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andreas

Zum Glück habe ich Franz Beckenbauer nicht, wie die bösen Medien das tun, “Kaiser” genannt. In ein paar Jahren bist Du vielleicht froh darüber :-)

19.08.2007, 22:45WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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Ebola

Reicht den rechtlich nicht ein Disclaimer mit dem entsprechenden Eintrag, dass alle auf deiner Seite so genannten Personen auch so der deutschen Presse entnommen wurden. Und hier herrscht nun mal Pressefreiheit. In diesem Fall müsste der Anwalt auch gegen Bild und Co. vorgehen…
Nur so ein Gedanke - vielleicht ein dummer, aber ein Gedanke.

ps.
Dein Bloglink bei mir wird stehen bleiben… weil ich hoffe, dass du wieder ?«öffnest?».

27.08.2007, 23:27WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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andreas

Herr S. ist gegen Zeitungen vorgegangen, so z.B. die TAZ. Die hat verloren und musste ihr Archiv ändern. Natürlich nur online, was gedruckt war, war nunmal gedruckt.

Bei Viva stand vor einigen Tagen übrigens noch das andere Wort. Keine Ahnung, ob die auch abgemahnt wurden. Wäre mal interessant.

Ich muss das mal irgendwann zusammenfassen. Aktuell mache ich mit Wordpress rum, mal sehen, ob ich das bald geregelt kriege. Die alten Sachen werden aber wohl offline bleiben, damit die Herren Anwälte ihren Sommerurlaub genießen können und mich nicht ständig anschreiben müssen. Aber zukünftig so “zensiert” zu schreiben kekst mich ja schon an. Zumal man ja nie weiß, was man zensieren muss (siehe oben).

30.08.2007, 08:02WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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Johannes

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16.09.2007, 14:58WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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