Aufreger des Monats

Aus dem Spiegel-Artikel “Dank Bankberater in die Schuldenfalle”:

Die Verbraucherschützer hatten junge Erwachsene als Tester in Banken geschickt, um einen Kredit für einen gebrauchten Golf und Mobiliar zu erhalten. Bei den fiktiven Einnahmen und Ausgaben, die die angeblichen Berufseinsteiger angaben, hätte ihnen keine Bank einen Kredit geben dürfen - die Tester hätten massive finanzielle Probleme bekommen.

Doch 17 von 22 getesteten Banken fackelten nicht lang: Kredite bis zu 15.500 Euro wurden anstandslos bewilligt. Die Berechnungen waren mitunter abenteuerlich: Raten waren teilweise so hoch angesetzt, dass sie im Falle ausbleibender Tilgungszahlungen nicht einmal vollständig hätten gepfändet werden können, weil den jungen Leuten dann zu wenig zum Leben geblieben wäre.

Da könnte ich kotzen. Wenn ich daran denke, was für einen ärger, was für einen Aufstand Banken machen, wenn es um Kredite für Jungunternehmer geht. Keine Bank war bereit, unserem Geschäft auch nur 1000 Euro zu leihen, obwohl der Businessplan ausgereift und die Sicherheiten vorhanden waren. Zu unsicher sei die momentane Wirtschaftslage, einen zu schlechten Ruf hätten Internetunternehmen. Aber Jugendlichen kann man ja Kredite geben, die werden sie bestimmt zurückzahlen. Und wenn nicht, sind ja die Eltern noch da.

via: B|Log-Datei

Montag, 25. August 2003, 21:05 Uhr
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8 Kommentare

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Thomas

Die gleiche Erfahrung hatte ich auch ... Wenn Du privat mal eben 5.000 Euro brauchst - kein Problem. Kommst Du aber als Unternehmer und sagst: Ich brauch 5.000 Euro wird Dir entweder gesagt “Nö, zu unsicher” oder “Nö, ist zu wenig” (letzteres hat mir die Sparkasse vor 3 Jahren gesagt, als ich 5.000 DM für Geschäftsausstattung haben wollte).

Echt krank ...

25.08.2003, 23:37WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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Christian

komisch wie sich die Geschichten gleichen….
Wobei meine Efahrung ist:
Öfter hingehen.
Beim dritten Anlauf klapts auch mit dem Kredit…

Aber, was ich sagen wollte…

Vor ein par Monaten gabs mal einen Bericht über Jugendliche, die fette Dispos oder auch Krdite bekommen - da spekulieren die Banken wohl voll damit, dass Papi und Mamii zahlen - obwohl sie das nicht müssen, wenn die Bank bei der Vergabe nicht aufgeppasst hat.
Abetr es könnten ja die Nachbarn, und so ein Streit mit der Bank ist ja auch unangenehm, und so zahlen die lieben Eltern wohl so oft, dass sich das Risiko lohnt.
Man könnte auch sagen: “dass das Geschäftsmodell erfolgreich läuft”

Die Banken in Deutschland arbeiten eh viel zu sehr damit, dass der deutsche Bankkunde nicht wechselt. Das ist in anderen Ländern ganz anders…

26.08.2003, 08:20WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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Thomas

> dass der deutsche Bankkunde nicht wechselt

naja, da kann sich eine bank bei mir nicht drauf verlassen ... in 4 jahren 5 banken “verschlissen” :-)

26.08.2003, 13:19WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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vasili

es ist normal, dass finanzierungen von firmen abgelehnt werden, deren geschäftsführer bei den kollegen aber die kredite quasi hinterher geworfen bekommen. die gründe dafür sind i.w. unterschiedliche risikoeinschätzungen im firmen- u. privatkundengeschäft sowie unterschiedliche anforderungen an die rentabilität einer kundenbeziehung.

thomas: ein kredit über EUR 5.000 wäre von jedem vernünftigen firmenkundenbetreuer abgelehnt worden, bei jeder bank.

christian: wer behauptet, dass bankkunden nicht wechseln?

29.08.2003, 09:24WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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Claudi

Zum Glück haben wir vasili. *g*

29.08.2003, 11:41WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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Christian

>wer behauptet, dass bankkunden nicht wechseln?

ich hab das mal gelesen.
Da waren die Zahlen in D so, dass wohl ueber 85% der Bankkunden ihre Bank treu bleiben.

Ich hab natuerlich keinerlei Ahnung mehr, wo ich das herhabe, ist auch schon laenger (3, 4 Jahre) her…

29.08.2003, 13:44WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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vasili

es ist schon richtig, dass es in deutschland traditionell eine enge bindung zwischen bank und kunden gab, die dazu führte, dass sich eine (manchmal lebens-) lange beziehung entwickelte. bei manchen kunden wünscht man sich das heute noch.

in der realität ist es jedoch oftmals so, dass nur die kunden wirklich “treu” sind, die sich aus bonitätsgründen keinen wechsel leisten können. bonitätsstarke kunden, v.a. im firmenkundenbereich, sind mittlerweile extrem fehlerintolerant und sehr konditionsbewusst. und was das gestiegene kostenbewusstsein der kunden nicht schafft, erledigen wir selbst: indem wir uns zum beispiel im zuge von strategieänderungen von bestimmten kundengruppen trennen. dass sich dann unter umständen zwei jahre später die privatkundenabteilung um den selben gewerbetreibenden bemüht, der von der firmenkundenabteilung “zurück an den markt” gebracht wurde, ist nur noch für aussenstehende lustig.

insgesamt beobachte ich einen permanenten wechsel der bankverbindungen, wenn der kunde nicht rundum mit der bank zufrieden ist - sofern er “gut” genug ist. dass natürlich ein privatkunde oder ein kleiner handwerker lange überlegt, bevor er seine bankverbindung ändert, ist angesichts des relativ hohen aufwands (neue briefbögen, neue einzugsermächtigungen, neue karten etc.) auch verständlich.

insofern haben wir wahrscheinlich beide recht: privatkunden wechseln seltener, während das bei firmenkunden nichts ungewöhnliches ist.

29.08.2003, 18:28WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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vasili

nachtrag: der spiegel-artikel ist zwar polemisch - immerhin sind es die kunden, die über ihre verhältnisse leben -, aber ansonsten in der sache richtig. viel zu oft werden risikogrundsätze bei “kleinkrediten” ausser acht gelassen. nach dem motto: ist ja nicht viel, was soll schon passieren. leider.

29.08.2003, 18:30WEBSITEDIREKT ANTWORTEN


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